Kino zwischen Tag und Traum. Psychoanalytische Zugänge zu dem Film Black Swan von Darren Aronofsky
Der Verlag Vandenhoeck & Ruprecht wird in seiner Reihe Psychoanalytische Blätter die überarbeiteten Vorträge der Tagung
Kino zwischen Tag und Traum
herausbringen. Das Buch wird voraussichtlich im Herbst mit 20 Illustrationen erscheinen.
Mit einem Vorwort von Ralf Zwiebel und Dirk Blothner, mit Beiträgen von: Isolde Böhme, Gerhard Bliersbach, Dirk Blothner, Mathias Hirsch, Gerhard Schneider, Reimut Reiche und Ralf Zwiebel.
Die psychoanalytische Fachtagung fand am 9. und 10. Dezember 2011 in der Universität zu Köln statt. Über einhundert Teilnehmer waren gekommen, um sich den Film Black Swan anzusehen und die sieben darauf bezogenen, psychoanalytischen Vorträge zu hören.
Circa 150 Personen hatten sich angemeldt, aber nur 100 konnten zugelassen werden.
Das nebenstehende Bild zeigt Dr. Gerhard Schneider während seines Vortrags. Vorne und in der Mitte sind die Referenten Gerhard Bliersbach und Dr. Reimut Reiche zu sehen.
VERANSTALTER:
Department Psychologie an der Universität zu Köln
Prof. Dr. Dirk Blothner, Köln in Kooperation mit Prof. Dr. Ralf Zwiebel, Kassel
Auf der Tagung Kino zwischen Tag und Traum nehmen Psychoanalytiker, die sich in herausragender Weise mit Film und Kunst befasst haben, den Film Black Swan in den Blick. Dabei kommen nicht nur klinische, sondern auch wirkungsanalytische, (psych)ästhetische, kulturelle und methodische Aspekte der Filmpsychoanalyse zur Sprache.
Traum und Tag sind Verfassungen des Seelenlebens, die die Psychoanalyse zu Konzepten wie Primär- und Sekundärprozess, Lust- und Realitätsprinzip oder Traum- und Wachlogik angeregt haben. Der Tag ist verankert in der gegenständlichen Welt und unterliegt den Regeln der Einheit von Zeit und Raum, von Kontinuität und Kausalität. Der Traum löst sich aus diesen Begrenzungen heraus und bringt eine phantastische Beweglichkeit der seelischen Prozesse ins Spiel. Genauer betrachtet handelt es sich bei Tag und Traum jedoch nicht um schroffe Gegensätze, sondern um zwei Verfassungen, die ineinander übergehen. Auch der Tag hat traumähnliche Züge, sprengt mitunter die Grenzen der gegenständlichen Welt und rückt sie nicht nur in seinen Wachträumen in phantastische Zusammenhänge. Umgekehrt könnte ohne das Material und den Formanhalt der Tagesläufe der Traum seine phantastischen Bildungen nicht entfalten. Und nur über den „Königsweg“ des Traums – darauf machte Sigmund Freud aufmerksam – lassen sich viele Unternehmungen des Tages psychoanalytisch verstehen. Der Kreis von Tag und Traum spannt das ganze Spektrum der bewussten und unbewussten seelischen Gestaltungsmöglichkeiten auf.
Weil er von der Fotografie her kommt, ist der Film dem Tag nahe. Aber schon mit seinen Montagen bringt er die Beweglichkeit des Traums ins Spiel. Denn der Film bricht den menschlichen Alltag in kunstvolle Erzählungen um und verdichtet dessen Wirrwarr zu eindrücklichen Symbolen des Lebens. Wie viel "Traum" offenbart daher ein "realistischer" Film wie Der Leopard (Lucino Visconti)? Und umgekehrt: Wie viel vom "Tag" behandelt ein traumartiger Film wie Der andalusische Hund (Luis Bunuel)? Darstellungsformen des Films können die Regeln des Tages ebenso wie die Arbeit des Traumes anschaulich vor Augen führen. Der in den Filmwissenschaften diskutierte Unterschied zwischen linearen und nichtlinearen Erzählformen im zeitgenössischen Kino nimmt auf solche Unterscheidungen Bezug.
Schließlich berührt der Titel der Tagung auch die Situation der Zuschauer im Kino. Wenn sie im fensterlosen Saal Platz nehmen und sich auf den Film einlassen, sind sie weder nur im Tag, noch beginnen sie schon zu träumen. Sie befinden sich zwischen Tag und Traum. Die Verfassung der Filmrezeption kann man als einen geführten Tagtraum beschreiben. Die Bilderfolge auf der Leinwand regt zu seelischen Prozessen an, die unter den Bedingungen der Filmsprache eine dem Traum nahe Beweglichkeit erreichen. Unter diesen Umständen können – ähnlich wie im Schlaf – Unternehmungen, Konflikte, die am Tage keinen Abschluss fanden eine Fortsetzung oder gar "Lösung" erfahren. Der oft zu beobachtende Wandel der Tagesstimmung nach dem Genuss eines guten Films im Kino weist auf solche Vorgänge hin.
Durch das Programm der Tagung führt die Autorin, Regisseurin und Produzentin
Friederike Felbeck, Düsseldorf. Sie hat mit Jürgen Flimm, Armand Gatti und Roberto Ciulli zusammengearbeitet. Seit vielen Jahren hält sie die filmwissenschaftlichen Einführungen im Psychoanalytischen Filmclub in Düsseldorf.
Freitag, den 9. Dezember 2011
20.00 Uhr
Black Swan (USA 2010) im Kino OFF-Broadway, Zülpicher Straße 24
Black Swan als Erlebnissymbol - Metamorphosen zwischen Film, Tag und Traum (Dirk Blothner)
Umtrunk
Samstag, den 10. Dezember 2011
09.30 Uhr
Zwischen Film, Tag und Traum - Einführung in das Tagungsthema (Dirk Blothner)
09.45 Uhr
Traum und traumanaloge Zustände in Black Swan. Strukturanalyse ihrer Sukzession (Reimut Reiche)
10.30 Uhr
Kaffeepause
11.00 Uhr
Black Swan - Die Weise von Liebe und Tod zwischen Tanz und Traum (Isolde Böhme)
11.45 Uhr
'Mutterkörper' - Zur Objektverwendung des eigenen Körpers in Black Swan (Mathias Hirsch)
12.30 Uhr
Mittagsbuffet
14.00 Uhr
Der heutige Käfig des adoleszenten Erschreckens.
Der Beitrag des Kinos zum psychischen Überleben in schwierigen Zeiten (Gerhard Bliersbach)
14.45 Uhr
Perfektion und Zerstörung - eine kulturanalytische Perspektive auf Black Swan (Gerhard Schneider)
15.30 Uhr
Kaffeepause
16.00 Uhr
Gedanken zum 'Arbeitsmodell' der Filmpsychoanalyse am Beispiel von Black Swan (Ralf Zwiebel)
16.45 Uhr
Diskussion
18.00 Uhr
Ende der Tagung
Tagungsbeitrag € 70,- inklusive Mittagsbuffet und Abendveranstaltung im Kino;
Begleitperson bei der Abendveranstaltung zusätzl. € 7,50;
Anmeldeformular (PDF)
Anfragen per Email an Veranstalter Prof. Dr. D. Blothner
Der Neue Senatsaal der Universität zu Köln befindet sich im Hauptgebäude direkt am Albertus-Magnus-Platz. Nach dem Betreten des Hauptgebäudes bitte erst links und dann den Gang rechts bis zum Ende durchgehen. Von den unten angegebenen Hotels aus ist der Tagungsort in ca. 10 bis 15 Minuten zu Fuß erreichbar. Parkplätze sind am Samstag im engeren und weiteren Umfeld des Hauptgebäudes gut zu finden.
Untenstehende Hotels in der Nähe bieten für Tagungsmitglieder Sonderpreise an:
Hopper et cetera
Sonderpreis € 82,02 (inkl. Frühstück)
Brüsseler Str. 26
50674 Köln
Tel: 0221 - 92440-0
park inn Hotel
Sonderpreis € 102,24 (inkl. Frühstück)
Innere Kanalstraße 15
50823 Köln
Tel: 0221 - 5701-0
Die Veranstaltung ist bei der Psychotherapeutenkammer NRW mit 9 Fortbildungspunkten akkreditiert.
Gerhard Bliersbach, Dipl.-Psych., vormals Psychologischer Psychotherapeut an den Rheinischen Landeskliniken Düren, Autor. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema Fernsehen und Film, arbeitet an einem Buch zur Geschichte des westdeutschen Nachkriegsfilms 1946 – 1963.
Dirk Blothner, apl. Professor an der Universität zu Köln, Dr. phil., Psychoanalytiker und Lehranalytiker (DGPT, DPG), Berater für Drehbuchentwicklung. Arbeitschwerpunkte: Intensivierungsprozesse in der Psychotherapie, Alltagkultur, Medien, Film, Kunst. Zahlreiche Veröffentlichungen. Darunter: Das geheime Drehbuch des Lebens. Kino als Spiegel der menschlichen Seele (2003).
Isolde Böhme, Dr. med., Psychoanalytikerin (DPV) und Gruppenanalytikerin (DAGG) in Köln sowie Lehranalytikerin (DPV). Arbeitsschwerpunkte: Dialoge zwischen Psychoanalyse und Kunst, Film, Literatur. Mehrere psychoanalytische Untersuchungen zu Spielfilmen.
Mathias Hirsch, Dr. med., Facharzt für Psychiatrie und für psychotherapeutische Medizin, Psychoanalytiker (DGPT), affiliiertes Mitglied der DPV, Gruppenanalytiker (DAGG). Lebt und arbeitet in Düsseldorf. Arbeitsschwerpunkte: Psychoanalyse von Trauma, Körper, Kultur und Film. Zahlreiche Buchveröffentlichungen. Darunter: „Liebe auf Abwegen“ – Spielarten der Liebe im Film psychoanalytisch betrachtet (2008).
Reimut Reiche, Privat-Dozent, Dr. phil., Psychoanalytiker und Lehranalytiker (DPV) in Frankfurt. Arbeitsschwerpunkte: Geschlechtsidentität und ihre Störungen, Psychoanalyse der Modernen Kunst. Zahlreiche Veröffentlichungen. Zuletzt: Mutterseeelenallein – Zwei. Das Tabu der Schönheit in Kunst und Psychoanalyse. Frankfurt a.M. (Stroemfeld) 2011.
ABBILDUNG Der Psychoanalytiker Reimut Reiche und sein Verleger KD Wolff belehren sich gegenseitig über die Funktion des Schönen.
Gerhard Schneider, Dr. phil., Dipl.-Psych., Dipl.-Math., Psychoanalytiker und Lehranalytiker der DPV und DGPT, Vorsitzender der DPV. Lebt und arbeitet in Mannheim. Arbeitschwerpunkte: Personale Identität, Internalisierung, Behandlungstechnik, Film und bildende Kunst. Zahlreiche Veröffentlichungen. Darunter zusammen mit Parfen Laszig (Hg.): Film und Psychoanalyse. Kinofilme als kulturelle Symptome (2008).
Ralf Zwiebel, Prof. Dr. med., Psychoanalytiker und Lehranalytiker (DPV). Lebt und arbeitet in Kassel. Arbeitsschwerpunkte: Klinische Theore, Psychoanalyse in der Pädagogik, Filmpsychoanalyse. Zahlreiche Veröffentlichungen. Darunter zusammen mit A. Mahler-Bungers (Hg.): Projektion und Wirklichkeit. Die unbewusste Botschaft des Films. (2006).
Black Swan (USA 2010)
Regie: Darren Aronofsky
Darsteller: Natalie Portman, Vincent Cassel, Mila Kunis
Kinostart : 20.01.2011
Besucher Deutschland: 2.100.750
Primaballerina Nina will unbedingt die Doppelrolle als weißer und schwarzer Schwan in der neuen "Schwanensee"-Produktion. Die Konkurrenz mit der Mutter, die ihre Tänzerinnenkarriere wegen der Schwangerschaft mit Nina aufgeben musste, schürt noch Ninas eigenen Ehrgeiz. Doch Kolleginnen und Chef werfen Nina einen Mangel an Sex-Appeal vor. Nach einem Biss beim Kuss vom Chef bekommt sie die Traumrolle unverhofft doch. Ihre Freude ist nur kurz, glaubt sie ihre Position als Star der Truppe gefährdet - insbesondere durch das neu engagierte Talent Lilly, die viel lockerer als sie selbst ist und sie verführt.
Zwischen psychologischem Drama, purem Horror und großer Oper siedelt Darren Aronofsky den Nachfolgefilm seines preisgekrönten "The Wrestler" an. Raffiniert konstruiert und choreografiert Aronofsky seine Geschichte mit wiederkehrenden Bild-/Musik-/Erzähl-Motiven und die Tanzszenen, die sein Stammkameramann seit "Pi", Matthew Libatique, in dynamische, mitreißende Bilder packt. Auch seine Besetzung kann überzeugen, angefangen bei Natalie Portman, die auch körperlich vollen Einsatz zeigt, über Mila Kunis als sexy Biest und Vincent Cassel als knallharter künstlerischer Leiter.
Quelle: Blickpunkt:Film
WEITERE KRITIKEN:
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Department Psychologie an der Universität zu Köln
VERANTWORTLICHER ORGANISATOR:
Prof. Dr. Dirk Blothner
Zülpicher Str. 83 • 50937 Köln • Tel: 0221 / 420 1138
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